<br /> - Savalenrally

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Geschichten

Endlich Savalen - Wilfried´s Geschichte

Vorspiel


Meine Frau nennt es Midlife Crisis. Andere halten uns für verrückt. Wir finden, es ist endlich an der Zeit. Eine Tour mit den Moppeds nach Norwegen.

Es war im Sommer 2003. Trotz eines wunderschönen Winters und einem lauwarmen Frühjahr hatte sich meine Frau entschlossen, ihr Mopped zu verkaufen. Nach kurzer aber intensiver Überzeugungsarbeit hatte ich meine bessere Hälfte davon überzeugt, den Erlös aus dem Verkauf, der Fairnis halber, wieder in der Branche zu investieren. Zudem ging der Trend bereits seinerzeit eindeutig in Richtung Zweitmopped. Dank eines, nach stundenlangem scrollen spontan aus der internetten Tiefe auftauchenden Kleinanzeige, hatte ich den todsicheren Tipp. Eine ETZ mit Beiwagen, Taufrisch, erst 4 Sommer gelaufen, mit richtig tollen Ideen, viel Herzblut und noch mehr Westgeld dem schnöden Sozialismus-Einerlei entrissen. Aber das Beste war, sie lebte mit dem Fahrer ihres Vertrauens gleich um die Ecke im Ostwestfälischen. Werner, ihr Treiber, war richtig nett. Schnell waren wir uns einig, auch wenn ihm das Herz dabei blutete. Aber wie die Männer so sind, er hatte die Alte noch nicht ganz aus dem Haus, da hatte er bereits ein Auge auf eine nicht mehr ganz so junge R25 geworfen. (Wie ich im nachhinein erfahren habe, hat die bis zum Einzug nicht mal die Trauerwoche abgewartet.)

Emmen wollen laufen. Also umgehend tanken, fahren, Spaß haben. Der Virus hatte mich gepackt. Gespannfahren ist geil. Überall wo meine Orange auftauchte waren ihr die Blicke der jungen wie alten Böcke sicher. Durch Zufall erfuhr ich vom EGT in Reddinghausen, wo wir uns natürlich vorstellen wollten. Mein Sohnemann nahm dankend Platz und mit der Dackelburg auf dem Gepäckträger ging es ins Hessische. Mann waren dort Gespanne. Viele rote, blaue, gelbe. Orange waren die Ausnahme und wurden darum nicht schlecht bestaunt. Wir ergatterten einen Logenplatz auf der Rinderweide und bauten unser Nachtlager auf. Mein Sohnemann war echt fit in der Materie und ich konnte mir zu dem Ausblick ein Bierchen gönnen. Wie das so ist, kommt man mit den Platzwanderern ins Gespräch und stellte mit einem ebensolchen Emmentreiber aus dem schönen Harz fest, das wir bereits eine gemeinsame Dreizylinder-Vergangenheit hatten und schon in grauer Vorzeit zusammen in Kiel das ein oder andere Bierchen auf einem XS-Treffen getrunken hatten. Fortan durften unsere Emmen zusammen auf den EGT`s parken und Benzin saufen. Aus dem ganzen Blödsinn-Gerede an solchen Treffen, kam immer wieder das Bild von Emmen im Schnee zum Vorschein. Und da das Bild auch im Restjahr nie ganz verblasste, wurde mindestens beim EGT 2004 beschlossen und verkündet; Wir fahren nach Savalen!

Was bedeuten schon Kälte, Schnee und Eis?. Unser größtes Problem schien zu sein, wie sagen wir es unseren Frauen?
Aber warum auch immer. - Eventuell glaubten Sie uns zu kennen oder trauten es uns nicht zu. Fahr doch und wenn du meinst waren die aufmunternden Startsignale für uns. Und so, gerade mal 4 Jahre später, waren wir uns einig. Diesen Winter muss es endlich losgehen. Gespann-mäßig hatten wir uns zwischenzeitlich beide verändert. Meine Emme war wieder Richtung Osten entführt worden. Ich hatte das Lösegeld in einen Heeler investiert der sich nun an meine R1100R kuschelte. Thomas hatte seine behalten und ließ sie mit seinen anderen Emmen in einem besonders gesicherten Bereich seiner Firmenhalle frei laufen. Trotzdem hatte er in einer R100GS, mittlerweile ebenfalls mit Heeler, einen adäquaten Ersatz für unseren Plan gefunden.

Um allen Ausreden vorzubeugen wurde sofort nach dem EGT 2008 die Fähre nach Norwegen geordert. Leinen Los am 19.01.2009!

Vorfreude

Sofort ging es ans packen. Reifen mit und ohne Spikes, Gepäckträger, Beinschilder, Heizungen oben-mitte-unten-vorne-hinten, Winter-Overall, Winter-Anzug, Fleece- und Funktionsunter-wäsche, dicke Socken, dünne Socken, Pulli, Pullover, Sturmhaube, Handschuhe beheizt und unbeheizt um nur einiges zu nennen. In der Folgezeit merkten wir, das man für so eine Tour besser noch die jugendliche Leichtigkeit besitzen und das ein oder andere auf sich zukommen lassen sollte. Die Berge an Ausrüstung nahmen ungeheuerliche Formen an. Vieles ließ sich auch schon nicht mehr wirklich verstecken und bescherte dann doch einiges an zusätzlichem Kopfschütteln. Aber, das Ziel vor Augen, ließen wir uns nicht beirren. Obendrauf noch den ADAC-Plus-Brief. Norwegen wir kommen.

Anfang November gab es im Sauerland den ersten Schnee und bis zum Jahreswechsel blieb es durchweg bitterkalt. Das richtige Wetter für einen Test aller Beteiligten. Die Nachbarn sahen kopfschüttelnd zu, wie meine R die Nächte in der Kälte stehen musste und am Morgen mit einer Raureifschicht aufwachte. Die nicht mehr ganz neue Batterie schaffte es aber immer noch, den Motor zu starten. Ein gutes Ohmen, fand ich.

Anders mein Knie. Der Innenmeniskus machte mir bei Kälte wieder zu schaffen. Noch halfen Tabletten, aber was wenn in Norwegen …. Der ADAC-Plus-Brief beruhigte auch hier.

Nach einer Nacht mit fast 20 cm Neuschnee und einem freien Vormittag im Terminkalender ging es zum Testen in die Wildnis. In den Weiten unserer Region kennen Insider einige Feldwege, deren Räumung im Winter nicht lohnt. Die waren mein Ziel. Der verstörte Blick des schneeschippenden Nachbarn wurde mit freundlichem Gruß reflektiert, die mit harzlichen Grüßen geschenkte Thermokombi zugezogen und mit einem beherzten Gasstoß schoben die Winterreifen das Gespann über unsere zwar geräumte, aber noch winterlich weiße Anliegerstraße. Im Feld waren auch die Längsrillen auf der geräumten Straße kein Problem. Alles ging gut. Am nächsten Abzweig rechts, ab da sollte der Schnee noch jungfräulich sein. War er dann auch. Ich schoss nach dem abbiegen durch leichten Tiefschnee auf die erste Schneewehe zu. Jetzt nur nicht langsamer werden. Puh, gerade so geschafft. Aber da kommt schon die nächste. Es kommt wie es kommen muss. Mit zu wenig Schwung und aufliegendem Boot dreht sich das Mopped um den Beiwagen. Ich sitze fest. Das Gespann bewegt sich keinen Zentimeter. Meine tolle neue Schneeschaufel habe ich natürlich nicht eingepackt. Wir wollen schließlich nach Norwegen und dies ist doch nur das Sauerland. Mittlerweile produzieren die Krümmer und der Motor Wasserdampf. Sollte ich vielleicht warten bis alles getaut ist? Es nützt nichts. Wofür hat man Hände. Nach gefühlten 1,5 Stunden und literweise vergossenen Schweiß habe ich endlich mein Mopped frei und einen Weg zurück in die Zivilisation gestampft. Ich kann nur hoffen, dass es in Norwegen mit den Spikereifen mehr Vortrieb gibt.

Das ich bei der Aktion nicht gefroren habe, lag sicher nicht nur an der Thermokombi. Aber dieses musste als Test einfach reichen. Schließlich gibt es auch im Sauerland nicht unbegrenzte Möglichkeiten.

Vorfahren

Montag 19.01.09, 14.00 Uhr ab Kiel stand auf unseren Bordkarten der Color-Line. Nervös wie am ersten Schultag. „Nur das Schiff nicht verpassen. Frühbuchertickets können nicht umgebucht werden“, kreiste es durch den Hinterkopf. Damit nichts schief gehen konnte, reisten wir einen Tag früher an. Ich machte mich also am Sonntag um 08.00 Uhr auf den Weg in den Harz, wo ich Thomas treffen wollte, um dann mit Auto und Anhänger nach Kiel zu düsen.
Es war halt Winter. 180 km Schneematsch und Pökellake auf den Straßen hätte ich als Autofahrer einfach so hingenommen. Ich sah nach 2 Stunden aber aus wie ein nasser Sack mit Salzkruste. Die Kristalle, der sofort auf dem Auspuff verdunsteten Matschpampe, hatten zentimeterhohe Skulpturen geschaffen, die mich fast zu Tränen rührten. Thomas sah meine entgleisten Gesichtszüge und sagte nur, dass wir so etwas doch in Kauf genommen hätten.
Mag schon sein, aber doch nicht auf meiner lieben R, wo ich sonst mit Teer- und Fliegenentferner dran gehe!, hätte ich am liebsten gesagt.

Es gab erst einmal ein 2.tes Frühstück.

Am späten Nachmittag waren wir in Kiel. Nur Regen unterwegs. Doch richtig entschieden bei der Anreise zu schwächeln. Dafür wollten wir bei der Übernachtung Härte zeigen und hatten DJH gebucht. Unter uns, der Herbergsvater hatte vielleicht Mitleid mit 2 älteren Gästen und unser Zimmer war echt ok. Kommen gerne wieder Herr Behnke ! Besonders weil sie spontan unserem Bulli+Anhänger für die Dauer der Tour nach Norwegen Asyl gewährt haben. Und das ganze für eine in Aussicht gestellte Elchsalami! Toll, vielen vielen Dank.

Überhaupt sind uns auf der gesamten Tour eigentlich nur nette + hilfsbereite Menschen begegnet. Ist mir noch nie so intensiv aufgefallen.

Am nächsten Morgen auf dem Weg zur Fähre noch einen Besuch bei Tante Louise, man kann ja immer noch etwas gebrauchen. Viel zu früh stehen wir als erste vor den Toren zum Schiff und haben reichlich Zeit die Spikereifen zu montieren. Der nächste nette Mensch, von der Color-Line weiß, dass erst morgen wieder Motorräder angemeldet sind. Heute sind wir die einzigen. Um 13.00 Uhr sind wir endlich an Bord. Ein tolles Schiff. Alles recht kurzweilig. Abends lecker Büffet. Wir fühlen uns richtig gut. Was kann jetzt noch groß passieren?

Vorahnung

Wir erleben es am nächsten Morgen. Dichtes Schneetreiben. An Oberdeck liegt Schneematsch. Oslo versinkt in Schneemengen wie seit Jahren nicht mehr. Uns fällt die Kinnlade runter, es geht uns beiden der Stift. Sind wir hierauf vorbereitet? Was erwartet uns in Oslo? Für das letzte Stück des Oslofjordes und die langsam im Tageslicht erscheinende Umgebung Oslos haben wir keine Zeit mehr. Wir müssen uns fertig machen. Endlich geht die Bug-Klappe hoch. Stück für Stück sehen wir Schnee, Schnee und noch mal Schnee. Wir rollen in den Hafen Es schneit immer noch. Verdammt, warum stirbt mein Motor immer ab? Und warum geht meine Beleuchtung nicht? Mist jetzt geht gar nichts mehr. Mit Thomas Hilfe schieben wir meine R unter das Dach einer Laderampe. Sollte unsere Savalenrally bereits hier zu Ende sein? Thomas hat sich zuerst wieder gefangen und beginnt die Sache logisch anzugehen. Da er hinter mir gefahren ist fiel ihm auf, das immer in Kurven, beim einlenken, mein Licht geflackert hat. Also konzentrieren wir uns auf die Kabel am Lenkkopf. Sehr schnell haben wir einen Kabelbaumableger als Fehler lokalisiert. 3 von 4 Kabeln sind komplett gebrochen, bzw. verkohlt. Inkl. Dauerplus zum Zündschloss. Schnell habe ich die Kabelenden mit Bordwerkzeug wieder verbunden. Ich sehe, dass meine Borduhr auf 13.45 Uhr stehen geblieben ist. Also hat der Kurzschluss bereits gestern, kurz nach dem abstellen auf der Fähre, stattgefunden. Nicht auszudenken, wenn durch so einen Schaden ein Feuer ausbräche. Nicht dran denken, alles wieder gut, weiter geht es.

Wir haben als Zwischenstop das Best-Western-Hotel in Rena gebucht. Bis dahin sind es noch 180 km. Bei normalem Wetter kein Problem. Aber heute. Die Straßen in und um Oslo sind schneebedeckt und richtig glatt. Tiefe Spurrinnen auf der Autobahn E6 lassen einen Spurwechsel zum Eiertanz werden. Unterwegs hängen LKW an Steigungen fest oder montieren am Straßenrand Schneeketten. Ungeübt wie wir sind, trauen wir uns das Tempo der Norweger noch nicht zu und werden von PKW und schlimmer, auch LKW, überholt. Keine schönen Gedanken was passiert, wenn…..

Unterwegs halten wir ein paar mal in den Tankstellen, die hier einen eigenen Charakter haben. Eine Mischung aus Dorfladen, Treffpunkt, Imbiss und Tanke halt. Die Leute die hier eintrudeln sind bunt gemischt und es macht Spaß, einfach nur zuzuschauen.

Irgendwann kommen wir in Rena an. Die letzten Kilometer hatten schon etwas von den Erzählungen anderer Norwegenfahrer. Wenig Verkehr. Schneebedeckte Pisten. Schöne Landschaften. Trotzdem sind wir froh, im Hotel zu sein.

Die nette Norwegerin an der Rezeption findet auch unsere Buchung und erkundigt sich ob wir denn mit dem Mopped da seien. Auf unser „ja“ hin lacht sie und meint „you are crazy boy“: Solche Komplimente hat man doch gerne, oder?

Vorwärts

Der nächste Morgen empfängt uns mit tollem Wetter. Der Schneefall hat aufgehört und ab und zu schaut sogar die Sonne raus. Vor allem aber haben wir ab hier nur noch kleine Straßen vor uns. Mit jedem Kilometer fahren wir sicherer und es macht immer mehr Spaß, die Haftung der Reifen anzutesten, in engen Kurven zu driften und die Reaktionen des Gespanns zu erfahren. Gegen Mittag überholen wir zum ersten Mal einen norwegischen PKW. Erst jetzt, so scheint es mir, sind wir restlos in Norwegen angekommen. Wir fahren die Fernstraße 3 entlang bis Koppang und dann über die kleinere 30 via Elvdal direkt nach Savalen. Vor der großen Info-Tafel zur Savalen-Region postieren wir unsere Moppeds und schießen Bilder zum Beweis, dass wir es geschafft haben. Natürlich wollen wir auch mal beide auf einem Bild sein und so bringe ich meine Kamera auf einem Schneewall in Position. Bei der Feinjustage breche ich plötzlich mit einem Bein ein und versinke bis zur Hüfte im Schnee. Da ist so ein leichter Bauchansatz doch mal zu was nütze. Alleine habe ich keine Chance hier wieder raus zu kommen. Nachdem Thomas sich wieder eingekriegt hat hilft er mir hoch. Savalen, sehen und sterben, wäre ok gewesen.

Die Auffahrt zum Hotel ist komplett weiß. Ohne Spikes sicher schwierig zu fahren. Überhaupt haben wir bei den Reifen alles richtig gemacht. Vorne einen Roller-Winterreifen Urban Snow, der auf dem Eis klebt als würde es ihm schmecken. Hinten Spikes in einem Vredestein Snow die tierisch ins Eis beißen und einen überall durchschieben. Am Beiwagen irgendwas was sich dreht. Bei mir ein aufgearbeiteter 135ér Reifen mit Immler-Profil. Den gleichen habe ich noch einmal als Reserverad dabei. Durch die Smartfelge passt er auch auf das Hinterrad.

Es ist erst Mittwoch. Im Hotel sind wir die Ersten. Schöne Zimmer, ein tolles Schwimmbad, aber sonst kein Mensch zu sehen. Das Abendmenü fällt dementsprechend recht sparsam aus. Sind wir hier richtig? Wir sind’s. Am nächsten Tag trudeln die anderen Rally-Teilnehmer ein. Ein nettes Trüppchen, mit dem in den nächsten Tagen das Programm wie Ausfahrten, Winterspiele und Palavern richtig nett wird. Das Hotel hat sich überhaupt mächtig gefüllt und ist nahezu ausgebucht. Eine kleine gesundheitliche Einschränkung in Form eines grippalen Infektes lässt meine Fahrfreude auf eine Runde um den See beschränken. Dafür haben wir dabei aber richtig Spaß.

Vorüber

Das Wochenende geht viel zu schnell vorüber. Sonntag heißt es schon wieder Abschied nehmen von Savalen. Zu dritt, ein netter Bayer hat zu uns aufgeschlossen, fahren wir wieder Richtung Süden. Für den ersten Winterbesuch in Norwegen reicht uns die Rückfahrt über kilometerlange, verschneite Waldwege parallel zur Hinroute und menschenleere Gegenden. Es ist einfach toll. Die Anderen suchen den Rückweg über das Ringebu Fjell, welches auch gelingt. Wir heben uns das für das nächste Mal auf. In Rena machen wir wieder Zwischenübernachtung und genießen ein letztes Mal die Köstlichkeiten norwegischer Burger-Kunst.

Das Wetter ist auch auf der letzten Etappe nach Oslo gnädig. Bei angenehmen Temperaturen fahren wir weiter über Nebensträßchen bis Elverum. In der Elgstua verabschieden wir uns leider von den Schneepisten, da ab hier die Autobahn bis Oslo wieder schwarzen Untergrund hat. In Oslo nutzen wir die Tiefgarage des Hotels um mit ein wenig Wehmut die Spikeräder zu demontieren. Jetzt ist uns allen klar, dass das Abenteuer so gut wie vorbei ist. Am Abend lassen wir bei Pizza und Bier unsere Gedanken zurückblicken. Die Tour war zeitweise sicherlich anstrengend aber in jeder Phase ein Erlebnis der besonderen Art.

Im Hard Rock Cafe treffen wir noch Paul mit seinen beiden Mädels und schlemmen noch das ein oder andere Bierchen. Übrigens, bedingt durch die von vielen bestrittene aber für alle fühlbare Teuerung durch den Euro sind die Preise in Norwegen schmerzfreier geworden. Man erschrickt nicht mehr gleich bei 10 DM (5 €) für ein Bierchen, sondern erst am Ende der Reise beim Kassensturz.

Dienstagmorgen ist zunächst Sightseeing auf der Museumsinsel angesagt. An der Fähre stehen bereits Jörg und Werner vor dem Tor. Zwei, die wir ebenfalls erst in Savalen kennen gelernt und mit denen wir uns auf Anhieb super verstanden haben. So wird die Überfahrt wieder recht kurzweilig.

Am Mittwochmorgen geht alles ganz fix. Frühstück, packen, aufladen, Heckklappe auf, Kiel hier sind wir wieder. Es bleibt nur ein kurzes Tschüß sagen und Thomas und ich biegen am ersten Kreisverkehr in Richtung DJH ab.

Der Herbergsvater hat alles gut bewacht und freut sich über die Elchsalami aus dem Duty Free. Wir laden die Moppeds auf und wollen auch nach Hause. Wir merken langsam die 10 Tage Trennung von daheim. Aber als wenn auf der Hinfahrt mein Kupferwurm in Oslo der Eingangstest gewesen wäre, stellt uns jetzt ein Rad an der Tandemachse des Anhängers vor die Abschlussaufgabe. Es will sich einfach nicht drehen. Alles klopfen, schlagen und fluchen nützt nichts. Auch das ruckartige anfahren und ein Ausflug über die nächste Bordsteinkante kann es nicht überzeugen. Haben wir nicht allen Widrigkeiten des norwegischen Winters getrotzt und sollen jetzt vor einigen Brocken oxidierten Eisens kapitulieren?

Schei.... auf ADAC-Plus-Brief, wofür sind wir Meister und Techniker? Rechts ran, halb auf den Bürgersteig, Wagenheber raus und Rad demontiert. Ein paar erboste Schläge auf die Bremstrommel. Na also, warum immer erst mit Gewalt. Rad wieder dran und ein Blick auf die Uhr. Super Zeit. Boxenstopp bei Schumi dauert länger.

Thomas und ich rollen Richtung Heimat. Mit jedem Kilometer wird uns bewusster, das wir uns einen Traum erfüllt haben. Wir sind stolz, froh und glücklich, dass wir dieses Abenteuer gemeinsam gemeistert haben.

Bedenken im Vorfeld und Ängste zu Beginn der Reise sind abgelöst worden von wunderbaren Erlebnissen in der Natur, mit unseren Motorrädern und mit Menschen, die wir in den letzten Tagen kennen und mögen gelernt haben.

Ich wünsche mir, dass mir das Erlebte noch lange Zeit Kraft gibt und ich viele der neuen Freunde wieder treffen werde. Vorfreude Savalen, du hast mir gut getan und ich freue mich auf ein Wiedersehen.

Euer Sauerländer

Wilfried

 
 
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